Urkamenz

Wie Kamenz entstanden sein könnte

Eine Urkunde vom 19. Mai 1225 berichtet von der Wiederweihe der Kirche Philippus und Jacobus in der von Bernhardt von Vesta errichteten Stadt Kamenz. Leider ist bisher kein schriftlicher Nachweis aufgetaucht, aus dem die Belehnung dieser Adelsfamilie mit dem Landstrich zwischen Kamenz und Crostwitz ersichtlich werden könnte. Bernhardt von Vesta war aber Zeuge bei der Trennung der Besitztümer des böhmischen Königs und des Bischofs von Meissen. Diese erste Fassung der so genannten „Oberlausitzer Grenzurkunde“ datiert bereits aus dem Jahr 1213.

Bernhardt von Vesta verstarb vor dem 4. Juni 1218, was ebenfalls urkundlich belegt ist. Kamen bedeutet altsorbisch - Ort am/ auf dem Stein. Der Name Kamenz war bei Ankunft der Herren von Vesta bereits etabliert. Spätere Ortsgründungen durch das Herrengeschlecht wurden nach ihren Vornamen benannt, so beispielsweise Bernsdorf oder Cunnersdorf. Haben sie vielleicht sogar eine Burg der Milzener in Kamenz übernommen? Einen Hinweis hierfür gibt die Ersterwähnungsurkunde von 1225, in der ein "Honigzehnt aus dem Burgward" aufgezählt wurde. Errichtet auf dem Jakobsberg zwischen Jahnstraße, Hoyerswerdaer Straße und Töpferstraße, wo sich einst der Stroh Hof befand? Als es noch keine Landkarten gab, aus denen man Flurgrenzen oder Ähnliches ablesen konnte, bekamen Örtlichkeiten Flurnamen, um sich im Gemeinwesen untereinander verständigen zu können. So gehörte der Jakobsberg bis zum letzten Viertel des 19. Jahrhunderts zum Bewusstsein der Kamenzer. Noch bis 1875 gab es dort die Gaststätte „Strohhof“, die durch Umbenennung zur Gaststätte „Zum Löwen“ wurde. Heute befindet sich da das Fitnessstudio in der Wiesenstraße 10.
Stroh Hof ist eine Ortsbezeichnung altsorbischen Ursprungs. Strog heißt Warte, im Sinne von „Wache, Wachturm“. Ist das ein Anhaltspunkt für das Vorhandensein einer slawische Burg? Dann wäre die Stadt viel älter als 800 Jahre.

 

Die Wiesenstraße auf dem Jakobsberg

 

Der Jakobsberg mit Stroh Hof

Quelle

Huth, Joachim, Kubasch, Heinz und Dr. Werner Reif: Ausstellungsvorbereitung 750 Jahre Kamenz; In: Nachlass Dr. Reif: Stadtarchiv Kamenz

Knothe, Hermann : Urkundenbuch der Städte Kamenz und Löbau (Codex diplomaticus Saxoniae Reihe II, Bd. 7), Nr. 1.

Schlegel, Cornelia:  800 Jahre Kamenz - ein Deutungsversuch der Vorgeschichte in: Sächsische Heimatblätter, 71. Jahrgang, Heft 2/2025, S. 101-103.

http://www.kamenzer-geschichtsverein.de/wp-content/uploads/2025/05/Vortrag_Textfassung.pdf

Fotos:

Tschuch, Gunther
Schlegel, Cornelia

Standort

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