1875

Gründung eines Ortsvereins der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAP)

Unter Leitung der Tuchmacher Karl Wendt und Wilhelm Werner sowie des Fabrikarbeiter Gottfried Röseberg trafen sich 1869 wenige Arbeiter, die sich dem sozialistischen Gedankengut zugewandt hatten zu Diskussionsrunden in der Gaststätte "Zum Schloßberg". Dort kam es am 29.7. 1875 zur Gründung der Sozialistischen Arbeiterpartei (SAP)-Ortsgruppe Kamenz, aus der später die SPD hervorging. Bekannte Sozialdemokraten dieser Zeit sind Karl Wendt, Karl Richter, Fritz Eichler und der Tuchmacher August Menzel.
Am Gebäude des ehemaligen Lokals "Zum Schloßberg" befand sich einst eine Tafel mit dem Hinweis, dass hier die SPD-Ortsgruppe Kamenz am 29. 7. 1875 gegründet wurde. Wo die Tafel abgeblieben ist, unbekannt.

Nach dem Fall des Sozialistengesetzes gründete sich auch in Kamenz eine SPD-Ortsgruppe. Das Lokal "Zum Guten Moritz" (Lindenterrasse) wurde zum SPD-Vereinslokal, später dann bis zum SPD-Verbot der Gasthof "Zum goldenen Löwen".

1919 wurde Paul Macher Mitglied der SPD. Er war nach einer Verwundung im Ersten Weltkrieg in der Kamenzer Genesungskompanie behandelt worden. In dieser Zeit lernte er seine Frau Melanie kennen. Sie errichteten 1927 ein Eigenheim gegenüber dem Kasernengelände.
Macher war von 1919 bis 1933 gewählter Stadtverordneter. Er war Leiter des Kamenzer Arbeiter-Sport-Vereins und Herausgeber der örtlichen SPD-Zeitung "Volkszeitung". Er wurde eines der ersten Opfer des Nationalsozialismus in Kamenz, indem er 1933 inhaftiert worden war.

Nach 1990 kam es zur Neugründung der SPD in Kamenz unter maßgeblicher Führung von Alfred Mietke und Günter Kern.

Quelle

Archiv Norbert Portmann

Dr. Hans Scheller: Kamenz in der Neuzeit - 1815 bis 1970. Herausgeber: Rat der Stadt Kamenz. Seite 54/55.

Hermann Drum: Wie kam die Macherstraße in Kamenz zu ihrem Namen - eine historische Betrachtung. In: Lausitzer Almanach, Band 10, Seite 253 - 262.

Standort

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