1482

Garküche

1482 verlieh der Rath der Kamenzer Fleischerinnung auf einen jährlichen Zins die Garküche, "darinnen zweierlei und rechtfertig Fleisch, schweinern und kälbern, zu sieden und zu braten sein sollte, wie vor dem, sunderob ein Bürger auch sein eigen Fleisch, Hühner und Gänse darin sieden und braten lassen will, soll der Koch ungestört bleiben" berichtet Bönisch in seiner "Historischen geographisch statistischen Topographie... Im 15. Jahrhundert entstanden fast in jeder deutschen Stadt Garküchen. Beim Garkoch gab es einfache und vor allem preiswerte Speisen hauptsächlich für den ärmeren Teil der städtischen Bewohner. Garköche übten oft neben der Garküche auch das Fleischerhandwerk aus.
Die Garküchen befanden sich in unmittelbarer Nähe des Rathauses, weil sie meist auch die Ratsstube versorgten. So auch in Kamenz. Ihre Eröffnung erfolgte am Michaelis Sonntag, also am 29. September des Jahres 1482. Der Rath erließ dazu Bestimmungen für Einheimische und Gäste, die zwei Mal täglich, zu Mittag und zu Abend, warmes Essen gereicht bekommen sollten. So scheint die Garküche vermutlich die älteste Wirtschaft von Kamenz zu sein. Sie befand sich in der der Garküchengasse, dem heutigen Abschnitt von der Ecke Markt/Lehmann bis zur Ecke Kirchstraße/Fleischbänke. Erst in den 1870er Jahren wurde sie in Obere Marktgasse umbenannt. Aber da befand sich die Garküche schon in der Klosterstraße.
Beim Stadtbrand von 1842 ging sie, wie die benachbarten Fleischbänke, in Flammen auf. Wiederaufgebaut war sie bereits 1844 als Haus 230, heute Rosa-Luxemburg-Straße 4, das im Besitz des Leinewebers Karl August Koch war.
Im Jahr 1850 durfte in der Garküche nur Kamenzer Stadtbier ausgeschenkt werden. Das sollte sich mit der Pacht der Garküche durch  Fleischermeister Johann Heinrich Mierisch ändern, denn er erhielt vom Kamenzer Rat auch die Ausschankgenehmigung für Branntwein.
Mit dem Kauf des Hauses Klosterstraße 6 durch Johann Karl Heinrich Mierisch zog die Garküche um. Er und seine Nachkommen betrieben diese bis nach in die 1950er Jahre als Gaststätte. In diesem Gebäude wurden also auch die "Kamenzer Würstchen" kreiert.

Quelle

Wikimedia

Wikipedia

Norbert Portmann: Die Geschichte der Garküche und des Hauses Rosa Luxemburg Straße 4. Kamenz 2015.

 

Foto:

Gunther Tschuch

Standort

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