Nachweis des ersten Apothekers
Der aus Görlitz stammende Apotheker Johannes Burscher erhält vom Kamenzer Rat das Privileg zum Betreiben einer Apotheke. Zusammen mit dem Stadtphysikus Dr. Johannes Franke entwarf er Gesundheitskonzepte gegen die Pest. Seine Apotheke war "unter dem Rathaus", das heißt, sie gehörte zu den Geschäften, die sich im Erdgeschoß des damaligen Rathauses befanden. Folgerichtig hatte der Rat 1585 angeordnet: „So Wohl ist Auff Eins Erb.[aren] Rhatts anordnung durch den Herrn Doctorem Johan. Francken, verordenten Stadtphisicum, fleissige versehung geschehen, das ein Jeder was er begehret, an praeseruatiuen undt medicamentis In der Aptecken Auff borgk in Einem Zinslichen werth bekhommen khönnen.“ Seit 1582 bemühte sich Burscher um den Erhalt eines Apothekenprivileg und die Genehmigung zum Branntwein schank: das erstere wohl um die lästige Konkurrenz einiger Krämer abzuwehren. Das letztere deutet an, dass „gebranntes Wasser“ oder „Aqua vitae“ – Wasser des Lebens – zu seinem Sortiment gehörte", so Dannenberg.
Burscher starb 1605. Ihm folgten Paul Arnold bis 1650 und Christian Arnold bis 1656 nach. Erst dem nächsten Apotheker Christoph Hornschuch wurde das Privileg des Brandweinausschanks am 21. Juli 1656 verliehen. Sein Nachfolger wurde 1663 Melchor Krause, der sie schon 1668 an Philipp Stappenius, auch wohl deshalb, weil er das kein Privileg zum Brandweinausschank erhalten hatte. Stappenius hingegen bekam es 1671 verliehen.
Quelle
Lars-Arne Dannenberg: Quacksalber, Apotheker & Alchemisten. In: 800 Jahre Aberglaube und Magie. Herausgeber: Museum der Westlausitz 2025
Erich Große: Johannes Franke (1545 - 1617) - Der Kamenzer Stadtphysikcus und sein "Hortus Lusatiae" in: Kamenz - Beiträge zur Geschichte und Kultur der Lessingstadt. Festschrift der Stadt Kamenz. Herausgegeben anlässlich des 775. Jahrestag ihrer urkundlichen Ersterwähnung. 2000
Georg Uhlig: Das Kamenzer Apotheken-Privilegium. In: Separat-Abdruck aus dem Neuen Lausitzischen Magazin, Band LXXXVI, Seite 256 - 260.
